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Generation Y: Was heißt “verantwortlich führen”?

Wie verhält sich das Thema “Responsible Global Leadership” zur Alltagswirklichkeit und den Zukunftsbildern des studierenden Jungvolks?  Am 15.&16.März 2014 trafen Michael Steinmetz und Karin Holzinger am neuen Campus der Wirtschaftsuniversität Wien 70 internationale TeilnehmerInnen am CEMS Master-Programm zu einem interaktiven Workshop. Erfreuliches Resümee: Problembewusstsein und Lösungskompetenz der neuen “Global Citizens” liegen näher beisammen als vielleicht gedacht! shareholder-value

Eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben, “Performer, Styler, Egoisten”, Technologiemonster ohne humanistische Vernunft, ohne Empathie? Diesen düsteren Befund des Jugendkulturforschers B. Heinzlmaier können wir so gar nicht teilen.

Wir haben dialogfähige junge Menschen mit Herz, Hirn, Durchblick und Gestaltungswillen getroffen!

Wir haben gefragt…

Erstens: Mit Blick auf die globale Wirtschaft – welche Denkhaltung dominiert?

  • Wir leben in einem Zeitalter der -Ismen: Industrieller Kapitalismus, Liberalismus, Materialismus, Konsumismus, Egoismus und Kurzfristigkeitsdenken (Short-Termism) dominieren.

Zweitens: Wie seid ihr als “next generation of leaders” davon betroffen?

  • Profitdenken und der Glaube an unbegrenztes Wachstum drohen die Menschen und den Planeten kaputt zu machen. Ethisch verantwortliches Handeln ist Mangelware. Shareholder Interessen dominieren dort wo die Berücksichtigung von Stakeholder-Interessen gefragt ist, Wettbewerb steht über Zusammenarbeit. Wir sehen Ungleichverteilung und Krise, wohin wir blicken. Corporate Social Responsibility ist für viele nur ein Schlagwort, dennoch sehen wir da und dort ernstzunehmende Bemühungen es besser zu machen.

Drittens: Wodurch unterscheidet ihr euch von früheren Generationen?

  • Die Menschen unserer Generation sind aufgeschlossen, anpassungsfähig, dynamisch. Sie verhalten sich kollaborativ und stellen als kreative Gestalter von Veränderung den Status Quo infrage. Technisch versiert und über Netzwerke miteinander verbunden erkennen wir den Wert von Nachhaltigkeit und verstehen die Bedeutung der Triple Bottom Line (Wirtschaftsleistung, Gesellschaft und Umwelt) für die Bewertung unternehmerischen Handelns.

Und schließlich: Habt ihr eine Wahl, euch anders zu organisieren, anders zu führen – und wenn ja, wie?

  • Ja, wir haben die Wahl, es anders zu machen als die Generationen vor uns: Wir können bei uns selbst anfangen, unsere beruflichen Entscheidungen mit Bedacht treffen, bewusste Konsumenten sein und ethisch verantwortlich investieren. Dem Kurzfristigkeitsdenken können wir eine Absage erteilen und Führungsqualität über Managementgläubigkeit stellen. Wir glauben an die Notwendigkeit von besserer Bildung für alle, wir können von guten und schlechten Beispielen lernen, am Aufbau sozial verantwortlicher Unternehmen mitwirken und Stakeholder in unsere Entscheidungen einbeziehen. Nicht zuletzt können wir eine Startup-Mentalität kultivieren sowie Transparenz und die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, leben.

Hier ist eine “Generation Why Not” am Start. Herzlich Willkommen!

 

2 Gedanken zu „Generation Y: Was heißt “verantwortlich führen”?

  1. Mario

    B.Heinzelmaier warnt ausdrücklich davor, von Generation Y zu sprechen, da es ganz unterschiedliche Gruppierungen gibt. Eine Studentenauswahl an der WU ist doch eine sehr spezielle Gruppe und ich wünsche dieser Gruppe, dass sie nicht nur behauptet, sich anders als andere Generationen zu verhalten, sondern im Leben dann auch wirklich beweist. Wenn z.B. ein lukrativer Job bei McKinsey/Roland Berger/Malik oder auch in anderen Branchen, die verschriehen sind, die Welt langsam, dafür sicher zu zerstören, diesen Job NICHT anzunehmen. Ich bin gespannt, wie viele von den heutigen Studenten dieser Verführung widerstehen werden…
    Viel Erfolg, ein WU-Alumni

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  2. Karin Holzinger Artikelautor

    Hallo Mario, Danke für deinen Kommentar! Ich stimme dir (Heinzlmaier) zu – natürlich gibt es ganz unterschiedliche Gruppierungen, eben wie in jeder Generation. Was ich nicht erwähnte, ist, dass bei der Veranstaltung 3 Guest Speaker eingeladen waren: Der CEO eines Kosmetikkonzerns, der GF einer NPO und der Managing Partner einer namhaften Unternehmensberatung. Alle haben auf ihre ganz besondere Art den Bezug zum Thema “Responsible Global Leadership” hergestellt. Nur zwei davon, schafften es, wirklichen Rapport zu den Studierenden herzustellen, sie als “Zielgruppe” anzusprechen und Rede und Antwort zu stehen. Guess what, der Vertreter der UB bemühte ein heroisches Führungsverständnis und war stolz, die “up or out” Strategie seines Unternehmens anzupreisen. Damit war bei den Anwesenden jedoch kein Blumentopf zu gewinnen ;-)! Erstaunlich fand ich, dass auf Nachfrage 10% der Studierenden nach der Uni einen Job in einer NPO anstreben und kein einziges Handzeichen hochging, als nach dem Berufswunsch “Banker” gefragt wurde.

    Tja, aller Vorhersagen sind schwierig – besonders wenn sie die Zukunft betreffen! Und: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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